...nicht ganz dicht...

 

25. 10. 07 Do

Gedanken, die heute dh. derzeit noch gar nicht so recht verhandelbar, also opportun sind aber nichts destoweninger doch wahr sind, eben so wahr wie sie organisch sind –  ohne Grenze(n) und Abgrenzung gibt es nichts eigenes. Jedes Lebewesen ab einer gewissen Komplexität folgt diesem Rezept, ebenso der Mensch, der von Natur eine Haut und eine Hülle mitbekommen hat und sich darüber hinaus noch in weitere Häute kleidet. Die Botschaft ist im Grunde eine einfache. Der Austausch mit der Außenwelt sollte nicht wahllos sondern gezielt erfolgen und dabei immer kontrolliert. Auf keinen Fall aber wahllos oder gedankenlos. Aber wir studierten Naivlinge der Spätzeit haben uns eine schier unbegrenzte Offenheit auf die Fahnen geschrieben, eine unbekümmerte Offenheit gegenüber allem wie auch jedem, er sei wie er wolle, gleichviel wo er auch herkommen mag. Die Offenheit mag eine schöne Geste sein, aber sie befördert am Ende das Gegenteil, denn sie bietet ein offenes Einfallstor für Einflüsse aller Art, insbesondere der zerstörererischen. Und wohin diese unbedarfte Haltung führt, erleben wir jetzt. Nun, wer nicht hören bzw. denken will, der muß eben fühlen. Damit schließlich einmal die Botschaft ankommt. Denn, wer so offen ist wie wir die ganze Zeit gewesen sind, der kann wahrlich nicht ganz dicht sein.

26.10.07 00:53, kommentieren

banal oder geheimnisvoll ?

3. 10. 07 Mi

Am Tag der offenen Wunde …

Ich für meinen Teil tendiere doch mehr zur zweiten Variante, wenn auch der Zeitgeist und mit diesem alle Flachdenker die erstere favorisieren und breit treten. Die Werbung vor allem gibt da ein beredtes Zeugnis ab. Werde zuweilen gar richtig aggressiv , wenn ich diese platten Dummdreist-Parolen lesen muß oder zu hören kriege. Ein Appell an primitive Instinkte aus niedrigen Beweggründen - viel mehr kriegen die Werbefuzzys heute nicht mehr zusammen. Aber so wird es wohl auch gewünscht, denn sie arbeiten ja schließlich auf Bestellung. Und der Anschein gibt ihnen zunächst einmal recht; die Welt oder sagen wir treffender das moderne Leben ist über weite Strecken ziemlich banal geworden, austauschbar und irgendwie sinnlos und in vielem reduziert auf effiziente, mechanische Abläufe. Und allzu sehr auf das Materielle fixiert; im Sinne von haben wollen und kaufen können. Mag sein, daß dies der Preis ist, den wir zu zahlen haben, da wir uns zu sehr mit der Maschine eingelassen haben, die nun in immer mehr Lebensbereichen den Takt vorgibt, dem der Mensch dann tunlichst zu folgen hat. Da bleib ich doch lieber Romantiker und vertiefe mich in das geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa. Meister Lionardo hat der Dame ein Spiel um die Mundwinkel gegeben, welches natürlich auch heute noch fasziniert. Und wer es ergründen kann, sieht die Welt mit anderen Augen und vor allem mit eim geheimnisvollen Lächeln. Und fürderhin auch nicht mehr banal. Aber wir haben uns fürs erste ziemlich weit von den Werten entfernt, die früher einmal weitgehende Wertschätzung genossen haben und im ästhetischen wie im moralischen hilfreiche Orientierungspunkte boten und zwar in der prägnanten Formel des Schönen, Wahren und Guten. Die Vorstellung, daß dies zusammenhängt oder doch wenigsten im Idealfall eine dauerhafte Verbindung eingehen kann, wurde systematisch zerbrochen. Und so huldigen wir heute doch eher dem Häßlichen oder Absonderlichen, dem Falschen oder Abseitigen und vor allem dem Zynismus, dem relativierenden und nivellierendem Prinzip. Zumindest wird es so von übergeordneten Stellen vorgegeben. Na, wenn das keine Krankheitssymptome sind. Wäre valleicht kein Fehler, wenn man sich damit einmal beschäftigen würde. Und damit die Botschaft besser haften bleibt, am Ende doch noch ein Spruch, der dies ganze Gemehre um diese Welt’zielgruppen’tage (sei es nun Frauen, Kinder, Nichtraucher usw) oder der sonstigen offenen Tage zu verschiedenen Anlässen wie heute zB. der ausgerechnet auf den 3. Oktober gesetzte Moscheetag sarkastisch aufspießt. Und der geht so:

Am Tag der offenen Wunde werden für 24 Stunden alle Verbände entfernt.

3.10.07 23:58, kommentieren

würgmerdig

26. 9. 07

Die Würgmerdig- pardon Merkwürdigkeiten des Alltags ereignen sich zu manchen Zeiten so sehr gehäuft, daß man sich längst nicht alles merken kann. Dann kommen leicht seltsame Gedanken auf (um nicht schon wieder merkwürdig zu bemühen) und man beginnt sich auf einmal Gedanken zu machen. Geht denn dies alles noch mit rechten Dingen zu oder hat es gar etwas mit linken Methoden zu tun ? Ist es mit dem näheren oder weiteren Umfeld in Verbindung zu bringen und somit Teil einer Strategie, die aus dem verborgenen wirksam wird ? Oder weist es gar auf ganz andere, größere Zusammenhänge hin, die die rationale, naturwissenschaftlich-technische Sichtweise transzendieren ? Jedenfalls kenne ich diese Momente, wo alles wie nach eim ausgeklügelten Plan abläuft, als folgte es eim Drehbuch und man sich für eine ziemliche Weile vorkommt, als befände man sich in eim handlungsreichen Roman und das nicht gerade als Randfigur. Dann muß ich immer innehalten für einen längeren Moment und komm aus dem Staunen nicht heraus und doch begreife ich das Geschehen uneingeschränkt als real, schon fast vertraut und wie selbstverständlich, aber ich frage mich auch verdutzt - wer führt hier eigentlich Regie ? Wenn der Mensch das Problematische an sich ist, dann ist die Welt der Rätselort per se. Man muß ja nicht gleich darob verzweifeln wie der olle Faust, kurz bevor er sich zu eim radikalen Paradigmenwechsel entschloß. Aber im tiefsten Grunde ist das die Frage, an der sich die Geister und die Schulen scheiden. Ist nun die Welt unendlich banal, eine kausale Ereigniskette vom Zufall geprägt ohne Ziel und tieferen Sinn, also nicht viel mehr als zeitweise strukturierte Materie auf dem Weg zur Entropie oder ganz im Gegenteil auf wunderbare Weise sinnfällig konzipiert und vom Geist durchdrungen und durchweht und damit immer wieder aufs neue überraschend geheimnisvoll ? Dazu noch ein Bonmot von eim Minister alten Schlages, der mal als Innenminister gesagt haben soll, er könne nicht den ganzen Tag mit dem Bundesgesetzbuch unterm Arm rumlaufen. Nun, wer will schon pedantische Paragraphenreiter und dann noch weit oben ! Von Hermann Höcherl also folgender Spruch.

Gott hat uns gegeben die Nüsse. An uns ist es, sie zu knacken !

27.9.07 01:40, kommentieren

HAVARIEN

 

22. 9. 07 Sa

Weiter an HAVARIEN DER SPÄTZEIT gearbeitet; der Stoff wird ja nicht weniger, im Gegenteil immer mehr. Auch zweimal heute nahe an einer Havarie gewesen; möglich daß dies noch die Restenergie vom gestrigen Zusammenstoß war, die wohl noch abfließen mußte. Die Wirklichkeit ist so beschaffen. Denn in heiklen Momenten gerät man leicht aneinander, entweder weil man übermütig und unvorsichtig ist, oder weil's gerade in der Luft liegt bzw. in den Sternen steht oder aber weil's schlichtweck unvermeidlich ist und eben einmal geschehen muß. Bewußt eim Zusammenstoß also nicht ausweichen, vielleicht sogar provozieren, um eine Klärung zu erzielen. Lieber offen und offensiv als stets auf der Lauer und perfide, so und nicht anders möchte ich es halten. Strategien und Konzepte, die allüberall die Handlungen steuern bzw. diesen zugrundeliegen, im großen wie im kleinen. Im globalen Maßstab ebenso wie im kleinen Kreis. Immer stellt sich daher die Frage – welche Strategie verfolgt er und welches Konzept vertritt er ?  Diese Frage stellt sich praktisch immer – bei jedem Gegenüber. Sie zu beantworten ist nicht immer leicht aber dann sehr aufschlußreich und ergibt gute Hinweise darüber, ob sich ein Austausch oder gar eine Annäherung überhaupt lohnt. Man muß schließlich wie Oscar Wilde sagt, einen Käse nicht zur Gänze aufessen, um zu wissen wie er schmeckt. Außerdem erspart die frühe Erkenntnis am Ende mit Sicherheit eine Menge Zeit wie Ärger. Insofern haben Zusammenstöße auch etwas Gutes, Träume und Wunschbilder zerschellen an den harten Fakten der Realität. Havarien kommen immer ungelegen und können sehr schmerzhaft und brutal sein, aber dennoch sind sie notwendig und auf lange Sicht schließlich sogar heilsam. Ohne Havarien wird es nicht abgehen. Das ist der Preis des Fortschritts und vor allem des gesellschaftlichen Fortschritts hierzulande. Da dürften dann nicht wenige von den Balken des eigenen, zusammenstürzenden Denkgebäudes erschlagen werden. Wenn ich mal eine Prognose wagen darf. Ja und ein solches Szenario kommt zuweilen schon mal vor in der Geschichte, wie man weiß und teils auch schon mehrfach erlebt hat. Aber die meisten Leute glauben immer erst, wenn etwas wirklich geschehen ist oder unübersehbar zur Entfaltung treibt. Davor halten sie es mit der Masse dh. mit der Herde oder mit dem Mainstream  wie man heute gerne sagt.

22.9.07 23:14, kommentieren

Nietzsche

19. 9. 07 Mi

Die Dichter sind in diesen Zeiten in den Hintergrund getreten und von Dichterfürsten hört man schon gar nichts mehr. Heute sind es Autoren, die die literarische Zunft im wesentlichen ausmachen, und wenn sie bedeutender sind, heißt man sie große Autoren, aber eben nicht mehr Dichter. Denn dieses Wort hat leider einen leicht spöttischen Anstrich bekommen. Davor allerdings hatten die Autoren, die als Dichter bezeichnet wurden, eine wesentlich größere Relevanz, im Gegensatz zu heute, wo die Autoren gelegentlich mal in eine Talkshow eingeladen werden und in den Feuilletons ihre Bedenken äußern dürfen, aber ihre Konzepte und ihre Gesellschaftskritik praktisch ungehört und wirkungslos bleiben. Aber vielleicht haben sie auch deswegen so wenig zu sagen, weil sie nur wenig zu sagen haben. Da fehlt’s doch wohl bei vielen an frischen, an kühnen, ja gefährlichen Gedanken; wie auch an Mut, diese hinauszutragen und darob zu streiten. Einfach zuviel immerwährende Gegenwart und Ichfixiertheit oder die auf einen Mann verengte Vergangenheit und damit die latente Tätervolk-Schuldkiste. Der Blick entweder ins schmähliche Gestern oder auf den eigenen Nabel gerichtet, aber eben nicht nach vorne auf die Schieflagen und Problemberge der Zeit. Eine Zukunftsblindheit, die kein gutes Licht auf den Zustand des Gemeinwesens wirft und eigentlich nur durch Denkblockaden erklärt werden kann. Das alte Paradigma greift nicht mehr, aber es fällt so ungemein schwer , gerade dies zu akzeptieren. Klar, das tut richtig weh, wenn man über lange Jahrzehnte seines Lebens einer fixen Idee aufgesessen ist, die schön klingt, aber der Wirklichkeit also den Menschen nicht so gerecht wird. Christian Morgenstern hat diesen Typus aufs schönste charakterisiert und dem Spott freigegeben.

‘Und so folgert Palmström messerscharf, daß nicht sein kann, was nicht sein darf.’

Vielleicht sollte ich ja noch einen Termin ankündigen mit eim Autor, eim Philosophen gar mit heftiger Widerrede, den gibt’s ja jetzt am Freitag in mein Laden. Wer aus (oder grad in) Berlin ist, kann gern mal vorbeischauen im LI-LA Literatur-Laden in Charlottenburg in der Wilmersdorfer Str. 9. Am Fr., den 21. 9. 07 um 20.l5 Uhr

Friedrich Nietzsche - ‚Menschliches, Allzumenschliches‘ (III)

Eo Scheinder liest Nietzsche.Sie hören in einer Auswahl den 3. Teil bzw. das 3. Hauptstü ckaus: ‚Menschliches, Allzumenschliches‘.Ein sprühendes Feuerwerk voller Gedanken- und Ideenblitze aus dem sprachmächtigen Werk zur Psychologie der Erkenntnis und der moralischen Anschauungen.Thematischer Schwerpunkt dieser Lesung:Die Geschichte der Religon(e n)und der religiösen Empfindungen.

2 Kommentare 20.9.07 00:17, kommentieren

Ohne Witz

18. 9. 07 Di

Ohne Witze wäre das Leben nur schwer zu ertragen und mit Sicherheit noch nicht einmal halb so lustig. Sind sie doch ein probates Mittel, um mit den Unvollkommenheiten in der Welt und vor allem mit den eigenen klarzukommen. Hervorzuheben ist vor allem die streßlösende Wirkung, die mit eim guten Witz einhergeht. Eine angespannte oder mißliche Situation, die sich mit eim Mal in Lachen und ansteckende Heiterkeit auflöst. Und wer macht eigentlich die Witze ? Im Grunde das Leben selbst, aber ohne den gewitzten einzelnen kommen sie natürlich nicht zur Entfaltung, denn sie müssen gesehen, formuliert und schlagfertig auf den Punkt gebracht und weitererzählt und weitergetragen werden.

Aber das geschieht dann, wenn der Witz gut, der Spruch treffend und die Idee zündend, ja zwingend ist, praktisch wie von selbst, nämlich von Mund zu Mund oder besser von Mund zu Ohr. Denn ein guter Spruch ragt aus der tristen Alltagsrealität heraus und ist in jedem Fall ein guter Türöffner. Arbeite ja derzeit an meim neuen Sprüche-Kalender (Kalender-Sprüche 2008) Einen Monatsspruch kann ich schon mal mitteilen, der ist zwar nicht ganz so lustig aber trotzdem nicht ganz ohne Hoffnung.

Wenn die Welt zu sehr aus den Fugen gerät, braucht es wieder die Dichter.

1 Kommentar 19.9.07 00:00, kommentieren

Das Lachen - ein Ventil

---~

 30. 8. 07 Do

Ein guter Spruch tut seine Wirkung; das war schon immer so. Oder warum kucken die Leute Harald Schmidt ? Obwohl bei dem sind’s schon mehr die blöden Sprüche und dann noch so überaus grimassierend dargeboten. Nun, mein Fall war das nie so richtig gewesen, doch hat er sich ab und an wirklich etwas getraut. Und das muß man ihm hoch anrechnen in dieser hochneurotischen und oft auch hochrotpeinlichen Zeit. Furchtbar, nicht wahr ?! Man kommt immer wieder darauf zurück, auch wenn man’s so gar nicht will.

Aber paßt ja eigentlich zusammen, Witz, Ironie und unorthodoxe Sprüche waren schon immer die Waffe des kleinen Mannes wie auch die der lockeren Geister, die sie ersannen und in Umlauf brachten. Und die Herrschenden hatten immer ein Ohr darauf, wie von ihnen gesprochen und vor allem gedacht wurde. Wenn sie klug waren, zeigten sie Humor und zogen wichtige Schlüsse daraus. Denn ebenso wie man das Denken nicht gänzlich unter Kontrolle bringen kann, so auch nicht die zynischen, provokativen oder despektierlichen Sprüche, die ja ein Ergebnis des Denkens sind, das mit eim gewissen Knalleffekt zum besten gegeben werden kann.

Damit das nicht ganz so trocken endet noch ein Witz, den ich gar sehr ergötzlich finde, ein politischer Witz, genauer ein Ulbricht-Witz, der sich auf dessen letzten Tage bezieht, als er schon ganz senil geworden war und kurz vor der Ablösung stand.

Also, zwei Bauarbeiter auf eim Gerüst am Staatsratsgebäude, die gerade ihre Frühstückspause machen. Ein halbes Stockwerk uner ihnen ist das Büro des Staatsratsvorsitzenden und Ulbricht sitzt am Schreibtisch. Die Bauarbeiter beißen in ihre Stullen und unterhalten sich. Plötzlich wird das Butterpapier des einen Arbeiters vom Wind fortgetragen und segelt durch das offene Fenster genau auf den Schreibtisch von Walter Ulbricht. ‘Oh Mann’, sagt der eine, ‘ hätte ich doch bloß aufgepaßt, das wird garantiert Ärger geben !’. Der andere beugt sich ein wenig nach unten, um besser sehen zu können und sagt ‘Mensch Paule, brauchst dir keinen Kopf zu machen. Er hat’s grad gestempelt, unterschrieben und abgeheftet.’

31.8.07 01:17, kommentieren