Zufälle

 27. 10. 07 Fr

Und immer wieder diese Zufälle; so manches (und zumeist nicht das schlechteste) fügt sich einfach so bzw. stellt sich ein, wenn man dessen gerade (besonders) bedürftig ist. Ich für meinen Teil glaube ja, daß Zufälle in nicht wenigen Fällen alles andere als zufällig sind, sondern vielmehr sinnig, also sinnstiftend, ganz im Sinne der Synchronizität bzw. der Anziehungskraft des Bezüglichen wie Wilhelm von Scholz dies einmal begrifflich zu fassen versuchte. Nun, die Vorgeschichte ist folgende, gestern einen ungemein beklemmenden Film gesehen, der hieß WUT (oder so) und war sehr packend inszeniert, ja er ging förmlich unter die Haut, übrigens von eim türkischen Regisseur und zeigte die sukzessive Zerstörung einer wohlsituierten Akademikerfamilie durch die Konfrontation mit eim total anderen, archaischen und gewaltverherrlichenden Konzept. Ausgangspunkt bei der Geschichte, ein wohlbehüteter pubertierender Junge (dazu Einzelkind und Einzelgänger) wird von einer Türkengäng, deren Mitglieder ihm zum einen zahlenmäßig überlegen und zum anderen auch altersmäßig um zweidrei Jahre voraus sind, regelmäßig drangsaliert und immer wieder 'abgezogen', wie es heute so zynisch heißt. Der Chef dieser Truppe, ein megadreister Streßtyp mit Mihigru, fühlt sich schließlich herausgefordert, als der Vater des Jungen, ein Literaturprofessor, sich einschaltet, damit die Angriffe auf seinen Jungen – das typische Opfa nämlich – endlich aufhören mögen. Der intellektuelle Vater ist allerdings der Sache, dh. dieser archaischen Konfrontation,  keneswegs gewachsen und er entpuppt sich dabei über weite Strecken als ein wohlredendes und hilfloses Weichei. Und so nehmen dann die Dinge ihren Lauf... Unbedingt sehenswert dieser Film. Denke auch, daß ein deutscher Regisseur es sich nicht getraut hätte, einen Film mit dieser Härte und Konsequenz zu inszenieren, nämlich als ein Kampf der Kulturen und zwar von Kulturen, die sich fremd sind und (total unversöhllich) fremd bleiben. Geht dann auch ganz böse aus die Geschichte. Ist echt beklemmend, wie schon gesagt, als wär's ein Menetekel. Und am selben Abend, als ich noch eine ganze Weile über die Thematik, besser problematische Problemlage nachdsinne, stoße ich alsbald auf ein hochinteressantes Zitat, das ich in eim Buch ziemlich am Anfang finde. Und wie schon gesagt, das Buch habe ich mehr oder weniger zufällig in die Hand genommen; habe es ja erst kürzlich bei meim Bücherfreak gekauft und destowegen liegt es neben anderen Neuerwerbungen griffbereit auf eim schon etwas erhöhten Stapel. Nun das Zitat, es stammt aus: SAECULUM Weltgeschichte Band III S.XIX (Herder Verlag, 1967)

"Josef Vogt sagt treffend: 'Die Grenzräume werden zu Bewährungsproben für die Hochkulturen, in den Randvölkern liegt die Potenz für den Wandel der Kulturen'. Der Existenzkampf der Völker und Kulturen aller Stufen ist äußerst hart. Eine Hochkultur erhält sich nur, wenn sie außer der Entfaltung eines wirtschaftlich und geistig anspruchsvollen Lebens ihre Existenz sichern kann gegen Völker primitiverer Stufen, die den größten Teil ihrer Vitalität auf Lebenssicherung und Lebensbereicherung konzentrieren können. Die Berührungen zwischen verschiedenen Kulturen können tödlich sein, wie H. Trimborn von der vernichteten altamerikansichen Hochkultur resigniert sagen muß: 'Die von den Indianern geprägten Lebensformen sind als menschliche Möglichkeiten Werte an sich'.

So äußerten sich Historiker in früheren Zeiten. Heute hört man weniger von dieser Zunft zu wichtigen Zukunftsfragen, obwohl wir doch inzwischen viel näher dran sind. Das Gefühl, daß diese Zeit wie auch der Zeitgeist und ein Großteil der Zeitgenossen nicht ganz dicht sind, habe ich das vorige Mal aufs Korn genommen, heute möchte ich noch ergänzen, daß sie über weite Strecken regelrecht blind sind, da sie mit Scheuklappen rumlaufen, die bedrohliches und störendes einfach ausblenden.

 

27.10.07 02:20

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