Die Philosophie der Schelme

 

Labiau
15. 4. 2010 Do


Die Leute sind so wie sie sind. Darauf sollte man sich einrichten. Ziemlich nüchtern halt und eher schwerfällig und ohne Alkohol  zumeist langweilig. Selten begeisterungsfähig, denn dafür sind sie zu abgeklärt und getreu dem Geist der Zeit ziehen sie alles am liebsten nach unten, eben auf eine zynische, materialistische Ebene herab. Die Philosophie der Schelme hat lang schon Konjunktur. Wenn ich es nicht tu, macht’s garantiert ein anderer, also was soll ich da überhaupt Skrupel haben, geschehen tut’s eh, da kann doch auch ich das machen und auch den Vorteil einheimsen, wo ich ja als erster gefragt werde. Schließlich geht es um Karriere und Vorankommen und dafür muß man schon mal Kompromisse eingehen; auch wenn es gegen innerste Überzeugungen geht.. Cosi fan tutte, ja, das machen doch alle, zumindest die, die da mit einem in direkter Konkurrenz stehen.. . Klingt alles ja recht schlüssig, aber trotzdem einen Denkfehler hat diese Strategie doch, nämlich die Vorstellung, daß dies wohlgeübte Spiel tatsächlich auf ewig Bestand haben könnte. Eine Vorstellung, die an sich schon lächerlich ist, zumal bei diesen Amateuren -  etwas so Labiles, das Einzug hält, als Fortschritt zu preisen, dem nicht widersprochen werden darf, aber den Leuten weißmachen wollen, daß alles auf die gemütliche und friedliche Art immer schön weitergehen könnte wie gehabt.
Aber dem wird nicht so sein, denn eine solche Entwicklung auf abschüssiger Bahn geht nach altbekanntem Schema, zack boing - das System wird ab eim gewissen Punkt von Turbulenzen geschüttelt, Tempo und Temperatur erhöht sich schlagartig,  die Revolution frißt ihre Kinder, denn je länger sie andauert, umso gefräßiger wird sie und damit eben auch wahllos. Nicht viel anders ist es mit dem Zeitgeist. Der frißt zwar keine Kinder, wenigstens nicht direkt, aber dafür verdirbt er sie halt systematisch. Wie’s ausschaut, haben die Langzeitstrategen auf diesem Gebiet ganze Arbeit geleistet …

Und hier noch der Apho aus: Anleitung zum Selber-Denken, Band 1, (Salonis, Berlin 1997 von Eo Scheinder)

Maskerade

Der Mensch
ist dasjenige Lebewesen,
dem die Fähigkeit sich zu verstellen,
längst zur zweiten Natur
geworden ist.


Und wer noch mehr über die Leitfossilien dieser Epoche lesen will, klicke einmal auf Großschnauzen und Flachpfeifen .

Musikspur: F. Busoni - Chaconne in d-moll BWV 1004 / Maria Tipo …

 

 Kontakt

 

15.4.10 20:00

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen