Wegegeld oder Nur nicht anecken

Wehlau, 3. 8. 2010

Das dumme Gefasel, was sich heute Diskussion oder gedanklicher Austausch nennt, neudeutsch Torkschoo, wird fast durchgängig in verbogener, dh. Zeitgeist gerechter Sprache geführt mit all den sprachlichen Sperrigkeiten, systemischen Verkleisterungen und hochwirksamen Tabus, weswegen es ja dummes Gefasel ist und bleibt und daher des Anhörens nicht wert.

Wie die Leute reden, was sie sagen und was sie beschweigen, mag zwar allzu oft nervig bis unerträglich sein, aber es ist immer sehr aufschlußreich, sagt es doch viel mehr über das Gegenüber als die tatsächlich gesagten und gewechselten Worte. Die Sprache verrät den Menschen;  ebenso wie das Verhalten und bestimmte Gesten, doch nur dem, der sich auf die Zwischentöne versteht.

Wo gibt einer Wegegeld, eventuell mit einer ironischen Relativierung, wo wird er grob und verletzend und wo wird er emotional und gefühlig oder zynisch oder einfach nur albern ?  Und versucht er beim Reden seinen Gesprächspartner anzufassen, ihn zu tätscheln und ihm gar auf die Pelle zu rücken ?  Auch sehr aussagekräftig, denn nur die wenigsten lieben das. Ein Streitgespräch ist schließlich kein knisternder Flirt.

Das Reden, das Gehen und eben die Art und Weise machen den Menschen (aus) und machen ihn vor allem unterscheidbar. Ein geschulter Blick braucht daher auch nicht lange, um sich ein stimmiges Bild zu machen; denn das Gehirn ist genau aus diesem Grund so komplex und so vielfältig geraten - eben um die eine (lebens)wichtige Entscheidung in kurzer Zeit und mit hoher Treffsicherheit fällen zu können. Nämlich - kann ich meim Gegenüber vertrauen oder sollte ich mich besser in achtnehmen ? Und ein falsche Entscheidung bzw. Einschätzung der Lage kann fatal sein, also höchst unangenehme Folgen nach sich ziehen.

In früheren Zeiten sah man in diesen Dingen klarer.  Aber da war Naivität auch noch nicht Staatsräson. Da wußte man noch, daß es Feinde gibt und daß  ma nicht ausschließlich von Freunden umzingelt ist.  Die Positiv-Negativ-Entscheidung immer im Augen behalten und nicht in einer trüben Suppe  unterschiedslos verrühren, war früher Ausdruck von Realismus, aber jetzt wird man dafür schon  von so manchen mißtrauisch beäugt.

Wohl dem, der sich von dergleichen Manipulationen nicht beeindrucken läßt. Die gibt‘s immer noch und wahrscheinlich werden sie sogar mehr.  Einen sah ich neulich, der sah nicht ganz doof aus, der hatte in großen Lettern folgenden Spruch auf der Brust: ICH KENNE MEINE FEINDE - ERKENNE SIE SCHON AM GANG. Wollen wir hoffen, daß er nicht zwischendurch in eine Gang gerät …


Aus oben genanntem Buch* ein weiterer Apho:


Die Sprache der Fäuste

Was aber ist primitiv ?
(Da höre ich schon die Schlauberger
ursprünglich sagen)
Primitiv ist
 (einen) Menschen mit Gewalt
- vorzugsweise mit roher -
unter großen Ängsten
gefügig zu machen

Apho Nr. 772



*Anleitung zum Selber-Denken Band 1
APHORISMEN und andere kurze Texte
zu finden  (und zu bestellen) hier .

Hier noch eine ganz andere Nacht- und Nebelaktion .


… Musikspur: Mars - Gustav Holst - Die Planeten / London Phil...

4.8.10 00:19

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